Gesang ist für mich das Lebenselixier! Wenn ich singen kann, dann bin ich frei und glücklich. Ich bin in meinem Element.
Obwohl ich singe, so lange ich denken kann, habe ich erst sehr spät klassischen Gesangsunterricht genommen und zwar bei einem Operntenor, der auch gleichzeitig der Chorleiter unseres Gospelchors war. Er hat mich gelehrt, dass man ein Lied erzählen muss. Das bedeutet, dass ich den Inhalt verstehe und emotional wiedergebe. Wenn das gelingt, dann berührt man die Herzen der Menschen. Inzwischen habe ich das schon sehr oft erlebt und bin so dankbar, wenn mir nach einem Auftritt jemand sagt, dass sich bei ihm die Härchen hoch gestellt haben oder, dass die Augen feucht wurden. Natürlich geschieht das vor allem, wenn ich bei Trauungen Gospel singe. Aber, kürzlich habe ich “Summertime” gesungen – allerdings in einer perfekten Umgebung (laue Nacht, Hotelterrasse am Atlantik in Andalusien, Vollmond) – und da war dieses Gefühl bei den Gästen, dass alles gepasst hat. Diese Rückmeldungen brauchen Künstler.
Ein ganz anderes Erlebnis, wie Musik wirkt, hatte ich nach drei Jahren Gesangsausbildung. Mein Gesangslehrer wollte mich auf Coloratursopran trimmen (ich singe von Louis Armstrong bis Mariah Carey) und er hat mich mit Arien gequält. Irgendwann hat meine Stimme gestreikt. Ich war wie im Stimmbruch und konnte nicht mehr singen. Ich wusste, ich will Jazz und Gospel singen, aber keine Arien.
Nachdem ich dann meinen Gesangsunterricht beendet habe, kam auch die Stimme wieder zurück. Ich bin meinem Lehrer dankbar für die Werkzeuge, die er mir vermittelt hat, aber ich bin auch froh, dass mein Körper gestreikt hat. Mit Hilfe meiner Stimmbänder hat er mir signalisiert, dass ich auf dem falschen Weg war. Arien waren nicht mein Ding. Bei Gospel, schönen Jazzstandards, Chansons und Oldieklassikern blühe ich auf und meine Stimme mit mir. Meine Freude am Singen gebe ich mit den Liedern weiter und ich bekomme auch viel zurück. In den Augen der Zuhörer kann ich es lesen und ihr Lächeln ist ein Geschenk.